Leseprobe Mila und Paul – Sonne im Osten

von Tino Dietrich.

Ein Auszug aus meinem Roman Mila und Paul – Sonne im Osten, dem 3. Band der Buchreihe.

Kapitel 1

Ich hatte mir die Freude meiner Familie über die frische Verlobung mit Mila ganz anders vorgestellt, als wir es bekannt gemacht hatten. Gerade mal eine Handvoll meiner engsten Verwandten zeigten offen ihre Freude darüber. Die anderen machten keinen Hehl daraus, dass sie von der kollektiven Zukunftsplanung nichts hielten. Genauso wenig wurde es befürwortet, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen wollten. Woher sollte ich denn wissen, dass es uns sogar meine Eltern ohne Rücksichtnahme ins Gesicht sagen würden? Zwar durch die Blume gesprochen, mehr oder weniger, dennoch ablehnend und verständnislos. Und die Unterstellung einer Schwangerschaft, wo meine Mutter bereits einen Geburtstermin für uns errechnet hatte, ließ die Enttäuschung in mir noch stärker anwachsen. In solchen Momenten wünschte ich mir, ich würde weit weg von all diesem negativen Ballast wohnen. Aber da würde ich dieser Enttäuschung wahrscheinlich auch nicht entkommen. Spätestens bei einem Telefonat würde ich die Zweifel und Meinungen dazu zu hören bekommen, ob ich es wollte oder nicht.
Die Stimmung ließen wir uns davon trotzdem nicht kaputt machen. Sobald die erniedrigenden Worte innerlich verarbeitet waren, legte sich auch meine aufkeimende Wut darüber. Schließlich war es unsere Zukunft und nicht die der pessimistischen Verwandten. Nur Tim, augenscheinlich auch meine Schwester, und Hugo freuten sich aus meiner Sippe mit und sogar für uns. Von Milas Verwandtschaft bekamen wir nur positive Rückmeldungen. Besonders ihr Bruder samt Familienanhang freute sich darüber.
Meine Eltern sagten mir schon zu Beginn, dass sie nicht zu der Hochzeit kommen wollten. Dies begründeten sie unter anderem mit: »Wir waren ja schon einmal auf einer Heirat von dir. Wir haben uns damals für dich gefreut, aber auf den ganzen Trubel können wir gerne verzichten. Da haben wir nicht noch einmal Lust zu. Da musst du uns verstehen.«
Stimmte ja im Prinzip auch. Damals war es so gewesen. Aber das ist vergangen, gehörte nur noch in meinen Erinnerungen zu mir. Den Termin für die geplante Hochzeit wollten dennoch alle von uns wissen, ob sie dafür waren oder dagegen, die Neugier, also das indirekte Interesse, war außergewöhnlich groß.

Es lag erst ein paar Tage zurück, dass wir aus unserem Familienurlaub mit Tim zurückgekommen waren. Eine Woche Ostsee mit Mila und meinem Sohn war für mich zu einer meiner schönsten Erfahrungen geworden. Und nun in meinen Erinnerungen.
Als wir wieder zurück in Hamburg waren, wurde Tim quasi direkt von seiner Mutter abgeholt und ich machte Mila noch am selben Abend unserer Rückkehr einen Heiratsantrag: Unübertrefflich schmucklos!
Sie war mit dem Geschirr spülen beschäftigt und ich kam mit zwei gefüllten Sektgläsern dazu. Ich vollzog einen Kniefall, verlor dabei das Gleichgewicht, kippte fast um und stellte ihr peinlich berührt die Frage aller Fragen. Ich weiß, das hätte ich auch in einer romantischeren Umgebung machen können und auch wesentlich durchdachter, aber ich hatte es nicht mehr ausgehalten. Und außerdem kam Hugo, unser Mitbewohner, bereits am nächsten Tag wieder zu uns. Den hatte ich ja während unseres Urlaubs aus- und bei meinen Eltern einquartiert. Das und meine sich immer stärker werdende innere Anspannung lösten letzten Endes diese Kurzschlusshandlung in mir aus. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir wirklich viel mehr Mühe geben müssen – mit Mila und dem Antrag, nicht mit Hugo. Aber aus der gemeinsamen Perspektive von meiner Zukünftigen und mir betrachtet, war das dennoch etwas ganz Besonderes. Vor allem Mila war es, die trotz meiner Zweifel bezüglich Zeit und Ort meines Antrags total überwältigt gewesen war und Sturzbäche weinte. Vor Glück! Mit einem zarten »ja« willigte sie ein, meine Frau zu werden, was auch mich dazu veranlasste, einen emotionalen Heulkrampf zu unterliegen.
Tim schrieb ich gleich danach eine Kurznachricht mit der beglückenden Botschaft. Schließlich hatte ich zuvor im Urlaub um sein Einverständnis gebeten, welches er mir auch sofort gegeben hatte. Ohne die Zustimmung meines Sohnes hätte ich Mila wahrscheinlich keinen Antrag gemacht. Dafür haben Tim und ich in der Vergangenheit schon zu viel unschöne Dinge erlebt, was gescheiterte Beziehungen mit einem Kind angeht.
Er freute sich als Erster mit uns, wie er sofort zurückgeschrieben hatte. Das, was an den Tagen darauf folgte, deprimierte anfangs nicht nur mich.
Mein Bruder sagte mir voraus, dass ich denselben Fehler immer wieder machen würde. Ich dachte: »Hat der schon wieder einen neuen Guru im Internet gefunden, der Videos mit seinen Weissagungen, Weisheiten und Verschwörungen veröffentlicht, dem er sein blindes Vertrauen schenkt und diese Schwarzmalerei für die einzig mögliche Wahrheit hält?« Dann: »Danke, mein Bruderherz. Deine dubiosen Voraussagen bleiben im Dunkeln und werden niemals das Licht dieser Welt erblicken. Mein Leben ist kein Abenteuerheft eines Fantasie-Spiels, wo man seine Zukunft auswürfeln muss, damit sie gut ausgeht oder zum Misserfolg wird. Jedenfalls glaube ich fest daran, dass es nicht so ist oder jemals dazu kommen wird.«
Trotz der sehr enttäuschenden und niederschmetternden Äußerungen von Teilen meiner genetischen Verwandtschaft hatte ich sie alle noch genau so lieb, wie ich es schon davor tat. Ob es andersherum auch der Fall war … da war ich mir manchmal gar nicht so sicher.

Ende der Leseprobe

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Leseprobe Mila und Paul – Sonne im Herzen

von Tino Dietrich.

Ein Auszug aus meinem Roman Mila und Paul – Sonne im Herzen, dem 2. Band der Buchreihe.

Kapitel 1

Bei meinen Eltern anzurufen und uns pflichtbewusst aus dem Urlaub zurückzumelden, war mein Plan gewesen. Stattdessen packten wir alle Mitbringsel ein und fuhren spontan mit dem Auto zu ihnen. Mila belastete mein Gewissen damit, dass wir es uns mit einem Besuch leichter machten. Ungeachtet dessen gab es frischen Matjes, der in kurzer Zeit verderben könnte. Durch einen Anruf hätte ich den Besuch nur unnötig hinausgezögert.
Ihr Blick auf die alltäglichen Situationen waren aus einer anderen Perspektive, einer, die mich häufig aus meiner Komfortzone holte. Ich sagte häufig, dass ich keine Lust hätte, oder suchte mir manchmal irgendwelche Schutzbehauptungen, wusste aber in Wirklichkeit, dass sie richtig lag

In dem Moment, als wir in die Straße einbogen, in der meine Eltern wohnten, bekam ich Herzrasen und zittrig-schwitzige Hände. Meine Füße fühlten sich wie Eisklumpen und kraftlos an. War ja klar. Kaum bin ich zurück, bekomme ich schon die erste Panikattacke, dachte ich.
Beim Vorbeifahren an der elterlichen Wohnung konnte ich die Köpfe meiner Eltern hinter der Fensterscheibe erkennen. Sie saßen. Der kleine Esstisch stand natürlich nur zufällig genau dort, wo man jeden Nachbarn kommen und gehen sah oder die Bushaltestelle gegenüber gut im Blick hatte. Alles andere wäre ja eine Unterstellung. Dieser Gedanke zog mich spürbar zurück aus der fiesen Angstspirale. Genau rechtzeitig. Denn Mila entdeckte eine Parklücke, bremste abrupt ab und löste damit ein Hupkonzert der anderen Autofahrer aus. Irgendwer brüllte seinen Frust aus voller Kehle heraus, was Mila und mich zum gemeinsamen Lachen animierte. Ein lustiger Klang, der sich wie ein neunjähriger Death-Metal-Sänger anhörte.
Nach Milas gekonntem Einparkmanöver in der viel zu kleinen Parklücke stiegen wir aus. Ich öffnete den Kofferraum, holte die beiden Taschen heraus und schlug die Heckklappe mit Schwung zu.
»Dann wollen wir mal«, sagte ich, während ich versuchte, über den Grünstreifen zu springen, ohne dabei in einen Hundehaufen zu treten.
»Die reinste Minenwiese«, beschrieb Mila mir die vollgekackte Verschönerung mit ihrer zurückhaltenden Art. »Alles vollgeschissen«, fügte sie abschließend hinzu, womit sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
»Dabei gilt dieser Stadtteil in Hamburg als besonders schön«, setzte ich dem Ganzen noch einen drauf. »Winterhude ist auch nicht mehr das, was es mal war.«
Ich bestätigte mir mit einem Nicken selbst das zuvor Gesagte und lauschte in mich hinein. Mit großer Freude stellte ich fest, dass sich mein Innerstes wieder beruhigt hatte. Doch ich wusste, dass ich etwas gegen diese ständigen Angstschübe unternehmen musste. Zum Glück war ich im Urlaub weitestgehend davon verschont geblieben. Doch jetzt stand erstmal der Pflichtbesuch auf der immateriellen Tagesordnung geschrieben, den wir mit dem Eintreten in das Sichtfeld meiner Eltern einläuteten.
»Auf geht’s«, sagte ich und mein Gesicht formte sich wie von selbst in ein lächelndes.
Der Türöffner summte nur wenige Sekunden später, um uns Einlass zu gewähren. Durch den vorbeifahrenden Lastwagen nahm ich ihn erst wahr, als der laut brummende Motor sich von uns entfernte. Den Dieselgeruch sog ich in dem Moment auf, als ich über die Türschwelle des Mehrfamilienhauses trat. Der Geruch erinnerte mich sofort an frühere Zeiten, als ich noch ein Kind von etwa sechs bis acht Jahren gewesen war. Die bleihaltigen Autoabgase lagen damals alle schwer in der Luft. Im Sommer konnte man das besonders gut wahrnehmen, da die Fenster im Familienauto wegen der Wärme heruntergekurbelt waren, weil die Lüftung keine Abkühlung schaffte und es dadurch ziemlich schnell stickig im Inneren werden konnte. Der Fahrtwind sorgte dann für etwas Erfrischung, wenn man nicht gerade im Stau gestanden hatte. Es machte für mich ebenfalls keinen Unterschied, als der Kraftstoff bleifrei wurde.
»Ach, das ist ja eine Überraschung«, sagte meine Mutter. »Ich dachte, ich guck nicht richtig.« Die Freude über den spontanen Besuch war ihr deutlich anzusehen.
Wir gingen direkt durch den schmalen Flur, in das Wohnzimmer, wo auch mein Vater war. Am Tisch vor dem Fenster natürlich. Nebenbei lief der Fernseher und zeigte Tiere in der Savanne während der Jagd.
»Na, Papa«, sagte ich, was er ebenso knapp erwiderte.
»Ich setz schnell einen Kaffee auf.« Kaum ausgesprochen eilte meine Mutter bereits in die Küche. Sie wirkte nervös.
»Mach alles langsam, bitte«, rief ich hinterher.
Im selben Moment folgte Mila meiner Mutter in die Küche und ich setzte mich auf die weinrote Ledercouch, die ich schon immer als gemütlich und modern empfand. Während meine Freundin mit meiner Mutter in der Küche über Gott und die Welt sprach, beobachtete ich meinen Vater dabei, wie er konzentriert Lottozahlen ankreuzte. Mittlerweile ein Hobby für ihn, wie mir bei fast jedem Gespräch erzählt wurde. Seine Haare gingen ihm allmählich aus, was mir die größer werdende Halbglatze verriet, und er war dazu weißhaarig geworden. Auch sein Gesicht alterte in den letzten Monaten sichtbar. Obwohl ich recht häufig zu Besuch war, fiel es mir besonders in diesem Moment auf. Auch meiner Mutter sah man ihr Rentenalter mittlerweile an. Bei unserem Kaffeekränzchen hatte ich genug Zeit, um mir die Gesichter meiner Eltern genauer anzusehen. Ich fühlte Mitleid in mir aufsteigen. Und dieses Gefühl stimmte mich traurig.
»Ich freu mich schon auf den Matjes heute Abend«, sagte meine Mutter und erlangte damit sofort meine Aufmerksamkeit.
»Der ist saulecker«, konnte ich mit ruhigem Gewissen behaupten.
»O ja«, fügte Mila hinzu.
»Habt ihr den mitgebracht?«, fragte mein Vater und schaute in die Runde.
»Ja, durchgehend in Kühlschrank und der Kühltasche gekühlt. Gestern fangfrisch gekauft, soweit wir wissen«, antwortete Mila.
»Da bin ich dann mal gespannt. Was gibt’s dazu?« Er sah meine Mutter an.
»Du wieder. Ich kann Bratkartoffeln mit Speck dazu braten, wenn du möchtest.«
»O ja. Richtig krosse aber«, sagte er und rieb sich seinen unübersehbaren Bauch, der dem einer hochschwangeren Frau glich. Diesen optischen Männermakel habe ich leider geerbt. Schlimmer fand ich aber den Männerbusen. Dafür sind die Beine und der Hintern bisher schlank geblieben, was hoffentlich auch so bleibt. Schon oft wurde meines Vaters Wampe mit einem Bierbauch betitelt, was aber grundsätzlich nicht zutrifft. Er trinkt kein Alkohol, isst aber gerne und viel. Es gab Tage, da rief er nur an, um mir das neueste Rezept anzukündigen, welches er mir einlaminiert hatte, um es mir beim nächsten Besuch mitzugeben. Meistens geriet es aber in Vergessenheit, bis er die auf eine ganze Sammlung angewachsenen Rezeptstapel entdeckte und sie mir alle bei nächster Gelegenheit sortiert übergab. Doch zum Glück nicht bei unserem Überraschungsbesuch, obwohl ich mich doch irgendwie immer sehr darüber freute. Vor allem, weil er sich damit immer so viel Mühe gab. Ich habe auch schon Vieles davon nachgekocht. Aber ich habe es niemals so lecker kochen können, wie mein Vater es kann. Ich dachte schon häufig, dass er Koch werden sollen hätte. Besonders die asiatische und persische Küche lag ihm im Blut. Eine Probierportion, die er mir oft anbot, war im Grunde eine komplette Mahlzeit. Danach war ich einfach nur noch satt.
»Wir bleiben nicht lange«, sagte ich, nachdem eine unbehagliche Schweigeminute stattfand, für die es nur den Grund des mangelnden Gesprächsstoffs gab. »Wir sind total kaputt und müssen noch den Rest auspacken und die Wäsche machen.«
Es klingelte an der Wohnungstür und meine Mutter sprang auf.
»Das wird Tim sein«, rief ich hinterher und fügte hinzu, »ich habe mit ihm während der Fahrt geschrieben«.
Tim kam freudestrahlend herein und wir begrüßten uns mit einem in die Luft winken, wie wir es immer taten und ohne anschließendes Küsschen, seitdem die Pubertät ihn im Griff hatte.
»Und, wie war’s?«, wollte Tim wissen und steckte sich nebenbei einen Zwanzig-Euro-Schein in seine Hosentasche, den er von Oma oder Opa zugesteckt bekommen haben musste, als keine Menschenseele hinsah. Oder schon beim Hereinkommen. Das passt perfekt zu dem Verhaltensmuster von Tims Oma. Das machte schon meine Oma so. Liegt also in der Familie, wie man so schön sagt.
»Geil. Einfach nur geil. Leckeres Essen, überall Fischbrötchen, toller Strand, der übrigens wirklich lang ist, und überhaupt, ist die ganze Atmosphäre dort viel entspannter. Und die Luft, die ist einfach nur …«
»Ist gut Papa, ich hab’s kapiert«, unterbrach er mich in meiner Darlegung, die nur auf das Wesentliche beschränkt gewesen war.
»Hach, es ist einfach nur schön dort. Am liebsten würde ich direkt wieder nach Niendorf fahren. Die Ostsee ist einer meiner Lieblingsorte«, erklärte ich, nicht ausgeschlossen, dass es nicht das erste Mal gewesen war.
»Das ist jetzt allen hier klar, oder?« Tim grinste und suchte nach Bestätigung bei den Anwesenden, die er von allen bekam.
»Die Ostsee ist wirklich schön«, sagte mein Vater. »Als du noch der verfressene kleine Paul warst, waren wir oft am Timmendorfer Strand oder auch Scharbeutz. Und wenn es zu voll gewesen ist, sind wir einfach so lange weitergefahren, bis wir irgendwo einen Platz gefunden haben.«
»Ja, das war immer toll«, bestätigte meine Mutter.
»Ich wollte immer mit Tim dahin, hab’ es aber leider nie geschafft«, sagte ich zu meiner Entschuldigung. »Aber das holen wir nächstes Jahr definitiv nach, oder?«
»Meinst du mich?« Tim wirkte überrascht, als ich meine Frage stellte.
»Klar, wen denn sonst.«
»Da lassen wir es uns dann so richtig gut gehen.« Erst, als Mila das sagte, löste es bei Tim Begeisterung aus, was durch sein breites Grinsen erst so richtig deutlich wurde. »Erzähl doch mal, was du geträumt hast«, forderte sie mich auf.
»Warum nicht«, willigte ich ein und fing sofort an, zu erzählen. »An einem der letzten Tage im Urlaub waren wir auf einer Liege an der Strandpromenade eingeschlafen, was wohl mit am schönen Wetter und dem Wellenrauschen gelegen haben muss. Jedenfalls träumte ich davon, dass wir mit Tim in einem Eiscafé saßen, wo es übrigens leckeres Eis gibt, und er zufrieden einen riesigen Eisbecher löffelte. Wir machten Fotos, zogen Grimassen, tranken Kakao und Kaffee. Mila hatte auch ein Eis und ich ein Stück Kuchen. Später saßen wir in einem Restaurant und Tim trank ein Alsterwasser zu seinem Putensteak mit Pommes. Dann waren wir plötzlich am Strand, hatten einen großen Strandkorb und haben in der Ostsee gebadet und getobt. Dann waren wir noch Pizza essen und den Rest weiß ich gerade nicht mehr.«
»Gibt es das alles wirklich da?«, wollte Tim wissen.
»Ja, alles«, antwortete Mila und streichelte mir über die Wange.
»Pass mal lieber auf, dass du nicht irgendwann platzt«, sagte mein Vater unerwartet und spielte mit einem Augenzwinkern auf meine Figur an.
»Musst du gerade sagen«, konterte meine Mutter, noch bevor ich reagieren konnte. Alle lachten darüber, wie mein Vater in scherzhafter Manier einen Spruch vortragen wollte, der aber gewaltig nach hinten losging. Seine Reaktion war die eines trotzigen Kindes. Mit Schmollmund und verschränkten Armen.
»Jedenfalls freuen wir uns schon jetzt tierisch auf den Urlaub«, sagte ich abschließend und erlöste damit meinen Vater aus dieser Situation. »Auch wenn wir erst im nächsten Jahr fahren können. O man, mir kribbelt immer der Magen, wenn ich an den Strand und so weiter denke.«
Ich sah schon in den Augen meines Vaters, dass er unbedingt …

Ende der Leseprobe

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Leseprobe Kurzgeschriebenes Band 1

Ein Auszug aus meiner Kurzgeschichte Unser Herr Diehsel aus Kurzgeschriebenes Band 1.

Es ist Donnerstag, früh am Morgen. Am morgigen Tag endet eine weitere Woche. Ich stehe
mit Sarah an der Bushaltestelle. Sie freut sich und wird mit jeder Minute zappeliger. Aber sie
bleibt an meiner Hand. Ich habe ihr nur einmal erklärt, wie gefährlich es an einer Straße sein
kann. Seitdem nimmt Sarah freiwillig meine Hand, wenn wir auf den Gehwegen unterwegs
sind. Darüber bin ich froh. Häufig beobachten wir beim kollektiven Warten auf den Bus die
anderen Kinder. Die Jungs sind meistens ziemlich wild und toben auf dem Gehweg,
während die Eltern in Gruppen über dieses und jenes reden. Die Mädchen sind eher ruhiger.
Sie toben seltener mit den Jungs zusammen. Sie sind meistens mehr unter sich. Heute ist
es allerdings leiser.
Von der Schule habe ich erfahren, dass die Grippe kursiert. Das ist gestern mit einer Info-Mail der Elternvertretung gekommen. Ganz praktisch, wenn man nicht viel Zeit hat. Oder
keine Lust. Sollte ich nicht verpflichtend einer Theateraufführung von Sarah beiwohnen oder
mir das jährliche Weihnachtsbasteln aufgehalst haben, pflege ich meine Zeit so zu gestalten,
dass der Haushalt, Job und meine Tochter in imaginär eingeteilten Zeitfenstern gut umsorgt
sind. Ich träume vor mich hin, verliere mich in der Zeit, als jemand an meinem Arm zieht.
»Papa, wo ist denn der Bus?« Sarah sieht mich erwartungsvoll an. Ich blicke auf das große
schwarz-weiße Ziffernblatt der turmartigen Uhr gegenüber, auf der anderen Straßenseite.
Fast zwei Minuten war noch Zeit.
»Er hat noch etwas Zeit, mein Spatz.«
»Da ist er ja!« Sarah macht ein paar Hopser vor Freude und lacht. Soeben kam der Bus um
die Ecke gerollt, nachdem er an der Straßenkreuzung noch ein paar Fußgänger vorbeilassen
musste.
»Habe ich dir ja gesagt.«
Direkt vor uns hält Herr Diehsel den Bus an und öffnet unter zischender Druckluft die Türen.
»Guten Morgen«, sagt Herr Diehsel mit lauter Stimme, um den Motorenlärm zu
übertrumpfen, und nickt uns zu.
»Moin Herr Diehsel!« Ich antworte lauter als gedacht. Ich sehe wohl ziemlich erschrocken
aus, denn der nette Busfahrer lacht laut und winkt Sarah in den Bus herein.
»Komm, Kleine, steig ein. Wir müssen los. Die anderen Kinder wollen auch abgeholt
werden«, sagt er, während sein Lachen langsam verstummt.
»Ich weiß das wohl«, sagt Sarah und stemmt ihre kleinen Hände in die Hüfte, um ihre
Antwort in aller Deutlichkeit zu untermalen.
»Tschüss Papa!« Sie gibt mir einen flüchtigen Kuss und folgt den Anweisungen von Herrn
Diehsel.
»Tschüss, meine kleine Prinzessin«, erwidere ich.
»Guten Morgen Herr Diehsel!« Erst jetzt grüßt meine Tochter zurück. Danach schließen sich
die Türen und der Bus rollt an. Ich nicke unserem Busfahrer zu, was er lächelnd erwidert und
sich dann auf den Verkehr konzentriert. Sarah sitzt ganz vorn am Fenster und winkt mir zu.
Ich hebe die Hand, ohne sie hin und her zu schwenken. Dabei fällt mir auf, besonders viele
Kinder sind heute nicht im Bus. Wohl der Grippe wegen. Er wirkt unheimlich leer. Die
Handvoll mitfahrender Kinder haben sich großzügig im Fahrgastraum verteilt. Ein Junge
drückt sein Gesicht an die Fensterscheibe. Als der Busfahrer auf das Pedal tritt, um aus der
Haltebucht zu fahren, rutscht das Gesicht bis an den Fensterrand. Eine Spur aus Speichel
demonstriert eine fast gerade Linie bis zum Mund des Jungen. Innerlich denk ich nur: »Echt
jetzt?« Die übrigen Kinder scheinen noch zu schlafen, wenn auch mit offenen Augen.
Sarah schaut mich noch einen Moment lang an, blickt dann nach vorn. Ich warte noch, bis
der Bus an der Kreuzung rechts einbiegt. So mache ich es immer. Heute habe ich frei, kann
mich endlich mal etwas ausruhen. Doch erst muss ich noch die Schmutzwäsche waschen
und aufhängen, kurz Staubsaugen, den Abwasch bezwingen und die Wohnung lüften. Ach
ja, einkaufen muss ich auch noch. Mein vermeintlich freier Tag erweist sich als normaler Tag,
nur ohne zur Arbeit zu müssen.
Während ich mein Pflichtprogramm fast vollautomatisch abarbeite, habe ich Zeit über
dieses und jenes nachzudenken. Auch über Herrn Diehsel. Er hat immer gute Laune, ist
stets pünktlich und steuerte den Schulbus bereits, als ich vor etlichen Jahren ein Schüler
war. Damals drehte er die Lautstärke des Radios im Bus oft sehr laut und sang einige Lieder
mit. Wir Kinder mussten dann immer über seine Grimassen lachen, die er dabei machte. Das
konnte man sehr gut in der spiegelnden Windschutzscheibe sehen. Manchmal erzählte er
auch Witze über das Mikrofon im Bus. Man hörte deutlich seine Stimme, doch verstand ich
nicht jeden Witz. Damit war ich zum Glück nicht allein. Herrn Diehsel machte das nichts aus,
wenn er es bemerkte. Er lachte dann umso mehr über seinen eigenen Witz.
Dabei fällt mir auf, dass er auch nicht zu altern scheint. Er sieht noch immer so aus wie
damals. Manchmal möchte ich ihn einfach dafür danken, wie er sich immer um die
Sicherheit unserer Kinder bemüht. Auch dafür, dass er mich damals mit seiner witzigen und
albernen Art bespaßt hat. Und jetzt für meine Tochter. Ich kenne ihn fast mein ganzes Leben.
Jeden Tag nach der Schule erzählt mir Sarah, was Herr Diehsel wieder Lustiges angestellt
hat. Am besten mach ich das gleich heute, wenn ich meine Tochter vom Bus abhole. Da
kann ich Herrn Diesel dann endlich meinen Dank aussprechen.
Da bin ich schon wieder unterwegs. Meinen freien Tag nutze ich dann doch nicht zum
Entspannen. Gleich bin ich an der Schulbus-Haltestelle. Der kommt auch schon in wenigen
Minuten. Mich beruhigt, dass ich den Haushalt wieder auf Vordermann gebracht habe. So ist
es am Wochenende weniger, hat ja auch was Gutes.
Am Nachmittag stehen hier heute tatsächlich mehr wartende Eltern herum, als es am
Vormittag der Fall war. Ist das mit der Erkältungswelle wohl doch nicht so dramatisch, wie
von der Elternvertretung angepriesen?
Da ist er, der Bus. Pünktlich wie immer, stelle ich mit dem Blick auf die Uhr fest. Hamburgs
Straßen sind chronisch verstopft und laut. Wie Herr Diehsel es trotzdem schafft, immer
pünktlich vorzufahren, bleibt ein Mysterium. Sarah steigt als Letztes aus der vorderen Tür.
Sie springt mir in die Arme und beginnt sofort zu erzählen, dass sie heute multiplizieren in
der Schule gelernt hat. Ich widmete meine Aufmerksamkeit erst Sarah, dann kurz unseren
Busfahrer, um ihm zu danken. Zu spät. Die Türen sind zu und er fährt bereits los. Mist,
verpasst.
»Dann eben morgen«, denke ich mir und widme mich wieder meiner Tochter, die ich auf den
Boden absetze, da sie mir zu schwer wird. Ganz nebenbei greift sie meine Hand, als wir uns
auf dem Weg nach Hause machen.
Freitag früh. Ich spüre jeden einzelnen Knochen in mir. Habe es wohl gestern mit der
Hausarbeit übertrieben. Oder vielleicht zu doll mit Sarah getobt. Während ich mich langsam
durch die kleine Wohnung bewege, bestätige ich mir selbst, dass meine Wehwehchen einer
Kombination aus Toben und Haushalt entstammen. Auf dem Klo höre ich meine Tochter in
ihrem Zimmer reden. Sie ist heute schon vor mir aufgestanden und durch die Wohnung
gedüst. Eigentlich auch kein Wunder, dass die Kleine schon so mobil ist. Sie ist ja auch
gestern nach dem Abendbrot ziemlich früh eingeschlafen, vollkommen platt. Nachdem ich
sie ins Bett getragen habe, schlief ich, wie meine Tochter es vor mir tat, auf dem Sofa ein.
Und genau dort bin ich aufgewacht. Mit prall gefüllter Blase und Muskelkater. Nach einem
kleinen Frühstück mit gebuttertem Toast und Marmelade machen wir uns fertig, um den
Schulbus nicht zu verpassen. Ranzen gepackt, Jacke und Schuhe an, abmarschbereit.
Auf dem Weg zum Bus kommen wir an einem Plakat vom Reisebüro, das ein paar Straßen
weiter seinen Geschäften nachgeht, vorbei. Die Botschaft ist deutlich: Jetzt Winterurlaub
buchen und sparen!
Von der Werbung animiert unterhalten wir uns über den Traumurlaub schlechthin. Nicht über
irgendeinen Urlaub. Da hat ja jeder seine ganz eigene Vorstellung. Sogar wir.
An der Bushaltestelle prüfe ich zuerst mal die Uhrzeit. Schließlich kann man bei so
intensiven Gesprächen auch mal die Zeit vergessen. Aber alles im Lot. Zwei Minuten vor der
Zeit. Ich bemerke einen rothaarigen Jungen, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Er muss
so in Sarahs Alter sein. Neun, vielleicht auch etwas jünger. Jungs sehen selten so alt aus,
wie sie tatsächlich sind. Während ich durch die Gegend schaue, fällt mein Blick erneut auf
die große Uhr gegenüber.
»Zu spät«, sage ich leise.
»Was?« Sarah zog an meiner Hand.
»Der Bus«, sage ich.
»Was ist mit dem Bus?«
»Der Bus ist zu spät«, antworte ich.
Sarah schaut nun selbst zur Uhr hinüber. Einen Moment später kommen noch zwei Jungs
angerannt. Sie werden langsamer, als sie uns sehen.
»Herr Diehsel kommt niemals zu spät«, schimpft Sarah.
»Vielleicht hat er ja auch die Grippe bekommen«, sage ich, nach einer Erklärung suchend.
»Kann sein.« Mehr sagt sie nicht. Sie starrt unentwegt in die Richtung, aus der der Bus
kommen muss. Die Sonne scheint ihr dabei direkt ins Gesicht. Mit zugekniffenen Augen,
einen winzigen Spalt zum Gucken geöffnet, stellt sie sich den Sonnenstrahlen entgegen. Die
Jungs an der Bushaltestelle bilden eine Dreiergruppe. Sie besprechen die Lage und gehen
zu Fuß los, damit sie nicht zu spät zum Unterricht erscheinen. Ich überlege auch, ob wir
nicht loslaufen sollen. Doch zu warten erscheint mir als die bessere Lösung. Also warten wir.
Zehn Minuten, zwanzig Minuten. Das reicht. Ich halte laut pfeifend ein Taxi an. Dem Fahrer
gebe ich einen Zwanzigeuroschein und nenne ihm die Adresse der Schule. Er weiß, wo das
ist. Sarah und ich setzen uns auf die Rückbank. Ich ziehe die Tür schwungvoll zu und wir
fahren mit dem Taxi los zur Schule. Unterwegs rufe ich das Sekretariat an, damit die Lehrerin
über die Verspätung meiner Tochter informiert wird. Als wir dort ankommen, verabschiede
ich mich mit einem Kuss auf die Stirn von meiner Tochter. Sie eilt in das alte vergraute
Schulgebäude mit den vielen Fenstern. Ich fahre mit demselben Taxi zurück, bis vor die
Haustür. Eigentlich sollte ich schon längst auf der Arbeit sein. Aber ich gehe erst mal nach
oben. In der Wohnung mache mir einen Kaffee und treffe dabei die Entscheidung, mich für
heute krank zu melden. Ich gehe zum Telefon, wähle die eingespeicherte Nummer vom Chef
aus und drücke auf die grüne Taste mit dem Hörersymbol drauf und melde mich für heute
krank. Außer mir gute Besserung zu wünschen und die Äußerung, dass ich schnell wieder
gesund werden soll, sagt mir der Boss zum Glück nichts. Danach suche ich die
Telefonnummer vom Busunternehmen aus einem Branchenbuch heraus. Ich möchte
unbedingt in Erfahrung bringen, was mit Herrn Diehsel ist. Der Anschluss ist besetzt. Auch
durch wiederholtes Drücken der Wahlwiederholung ist kein Durchkommen möglich. Ich
gebe mich geschlagen, schalte das Radio ein und lasse mich auf das Sofa fallen. Musik
ertönt. John Lennon mit »Imagine« glaube ich zu hören. Ein ungutes Gefühl steigt in mir auf.
Ich muss die Augen schließen. Alles dreht sich. Ich fühle mich wie kurz vor einer Operation
im Krankenhaus. Es ist also eine Art Angst, die ich spüre. Oder ich hab ein Kreislaufproblem.
Ich lenke mich ab, denke nach. Dass Herr Diehsel einmal zu spät kommt, habe ich zwar
nicht erwartet, aber es musste ja irgendwann der Tag kommen. Und der ist heute.
Ich mache eine Entspannungsübung. Die habe ich während der langen Scheidungsphase
von meiner Frau durch einen Therapeuten gelernt. Ich ärgere mich noch heute darüber, dass
sie uns einfach hat sitzen lassen, wegen eines anderen Kerls. In Gedanken stelle ich mir ein
schönes Bild vor. Der gemeinsame Strandurlaub funktioniert hier am besten. Sarah badet
überglücklich in der Ostsee und ich sehe ihr dabei zu. Diese Vorstellung ist deswegen
schön, weil meine Tochter niemals in der dunklen See planschen wollte. Es war ihr
unheimlich, dass sie den Grund nicht sehen konnte. Aber das legte sich schnell, sobald sie
erstmals nasse Füßchen bekam. Dieses Bild beruhigt mich.
Mir ist, als klopft es in meiner Fantasie. Da, schon wieder! Schnell verstehe ich, was los ist.
Das Klopfen kommt von der Wohnungstür. Ich bin wohl für einen kleinen Moment
eingenickt. Während die Wirkung meiner Entspannungsübung langsam aus meinem Körper
entweicht, öffne ich die Tür.
»Sarah, was machst du denn schon hier?« Ich schaue verwirrt auf die digitale Uhr neben der
Garderobe an der Wand. Halb elf und viel zu früh für Sarah.

ENDE der Leseprobe

Leseprobe Kurzgeschriebenes Band 2

Auszug aus der Kurzgeschichte Das Paket, Genre: Humor.

… Gleich nach dem Aufstehen am Morgen gucke ich die Mails durch. Gesetzt den Fall, dass ich ein oder mehr Teile bestellt habe. Es kommt immer eine Benachrichtigung, sofern das Paket zugestellt wird. Bin somit im Bilde, wenn etwas ankommt. Der Schlaf in der Nacht vorher ist kaum erwähnenswert. Da steigt in mir dann so ein Gefühl auf, was ich aus meiner Kindheit kenne: Der erste Schultag nach den Sommerferien, insbesondere nachtsüber. Einschlafprobleme, flauer Magen, Bauchkribbeln, Nervosität, zappelig sein und dringend aufs Klo, ein großes Geschäft erledigen. Und genau dann, wenn das exorbitante Entleerungsritual erfolgreich in den Verhandlungen steckt und der aufziehende Geruch alles beschleunigt, klingelt es an der Tür. Ich denke nur: Kacke!
Im Eiltempo den Hintern notdürftig abgewischt, ein paar Blättchen Klopapier zwischen die Backen geklemmt und die Hose hochziehend eile ich zur Wohnungstür, drücke den Summer und lausche in das Treppenhaus hinein. Da gibt es dann zwei Szenarien, die ich immer wieder erlebe.

Das erste Szenario
Es klingelt an der Tür, währenddessen ich, wie eben beschrieben, den menschlichen Notdürften nachkomme. Am Einlass angekommen öffne ich diesen einen Spalt und es kommt ein Mann mit Klemmbrett die Treppen hoch. Allein das bringt mein Blut schon zum Kochen. Nachdem er dann grinsend vor mir steht und der Zugang von mir ein kleines Stückchen weiter geöffnet wird, gebe ich ihm damit den Startschuss, seinen Text aufzusagen. Und der freut sich über diese Tatsache wie ein Kind, das zu Weihnachten sein Gedicht fehlerfrei aufgesagt hat. Bereitwillig lasse ich ihn ausreden, bin ja höflich erzogen worden. Sobald er nach längerem Warten meinerseits fertig ist, sage ich ihm kurz und knapp: kein Interesse. Darüber hinaus schließt sich meine Wohnungstür wieder. Im Treppenhaus höre ich nachfolgend und mit großem Erstaunen, dass der vermeintlich nett wirkende Mann dann doch einen ausgesprochen, sagen wir, umfangreichen Sprachschatz vorzuweisen vermag und Bezeichnungen kennt, die sogar mir neu sind. Zum Beispiel das Wort (Achtung: vulgärer Ausdruck) Pimmelbratze. Das kannte ich bis dato nicht.
Das gibt es in die Hörmuschel, für den Fall, dass man nicht den Telefonanbieter an der Wohnungstür zu wechseln anstrebt. Das Leben ist halt bewundernswert. Wenn man daraufhin mit einem lauten »danke vielmals« durch die geschlossene Tür antwortet, kommt der freundliche Herr dann in Bewegung und versucht sein Glück woanders …